

Nirgendwo in Europa werden so viele neue Kohlekraftwerke geplant wie in Deutschland. Weltweit werden nur in den USA und China mehr gebaut. Doch in fast allen Ländern gibt es Proteste gegen den Zubau von neuen Kohlekraftwerken. Überall fordern Bürgerinitiativen, Verbände und Organisationen eine Energiewende.
Die USA verfügen über die größten Kohlereserven der Welt und produzieren derzeit die Hälfte ihres Stroms in Kohlekraftwerken. Doch es zeichnet sich ein Umdenken ab. So steigert sich der Ausbau erneuerbarer Energien mit rasender Geschwindigkeit. Nach Angaben der US-amerikanischen Umweltorganisation Sierra Club wurden seit 2002 bereits hundert Kohlekraftwerke verhindert. Der Widerstand gegen umweltschädliche Kohlepolitik zeigt bereits erste Früchte. Nach einem großen Anti-Kohle-Marsch auf Washington im März 2009, zu dem über 50 Organisationen und Initiativen aufriefen, befasste sich der Kongress in Washington mit einer Vorlage, welcher die Emissionen kontrollieren soll. Danach soll der Anteil der Stromgewinnung aus erneuerbaren Quellen bis 2020 per Gesetz von 8,8 auf 20 Prozent gesteigert werden. Die Umweltbehörde EPA entschied unter der Ägide von US-Präsident Barack Obama Anfang Dezember 2009, Kohlendioxid und fünf andere Treibhausgase offiziell zu Luftschadstoffen zu erklären. Damit ist die Regierung ermächtigt, auch ohne Zustimmung des Kongresses Beschlüsse zur Regulierung der CO2-Emissionen zu fassen.
Auch die Niederländer wollen keine Kohle. Eine Untersuchung des Marktforschungsinstituts Interview-NSS ergab, dass drei Viertel der Holländer erneuerbaren Energien den Vorzug geben, berichtet Greenpeace. Gegenwärtig werden in den Niederlanden vier neue Kohlekraftwerke geplant. Der Protest dagegen organisiert sich nicht nur lokal. So arbeiten beispielsweise Bürger aus dem Nordwesten Deutschlands mit den Niederländern zusammen und veranstalten gemeinsame Protestaktionen gegen die geplanten Kohlemeiler.

Im Jahr 2008 wurde nach 34 Jahren wieder ein neues Kohlekraftwerk in Großbritannien genehmigt. Das Energieunternehmen E.on plant nahe dem alten Kraftwerk Kingsnorth ein weiteres Kohlekraftwerk. Der Bau sollte eigentlich 2012/2013 fertig gestellt sein. Doch gegen die Pläne regte sich zunehmend massiver Protest seitens der Bürger. Mit Großdemonstrationen, Protestaktionen, Klimacamps und Schornsteinbesetzungen wehrten sich lokale Bürgerinitiativen und Umweltorganisationen gegen die Baupläne. Mit Erfolg: Im Oktober 2009 zog E.on die Pläne für Kingsnorth zurück. Die britische Regierung will jedoch trotz des Protests weiterhin den Neubau von Kohlekraftwerken forcieren.
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In der Schweiz haben strenge Klimaschutzauflagen den Bau neuer Kohlekraftwerke längst unrentabel gemacht. So muss von Basel bis Lausanne jede in die Atmosphäre gepustete Tonne CO2 mit Maßnahmen zum Klimaschutz ausgeglichen werden. Dennoch beteiligten sich viele kommunale Energieunternehmen aus der Schweiz an Kohlekraftwerksplanungen in Deutschland, z.B. in Lünen oder in Brunsbüttel, wo sich gleich mehrere Schweizer Unternehmen mit erheblichen Anteilen an einem Kohlekraftwerk beteiligen. Doch in der Schweiz gibt es von Politikern und Verbänden erheblichen Protest gegen die klimaschädlichen Kohle-Investitionen im Ausland. Mit vielen Aktionen wie z.B. Offenen Briefen, Petitionen und Demonstrationen machen bekannte Organisationen und Parteien wie z.B. Greenpeace Schweiz, WWF Schweiz, Grüne-Partei und sogar auch die Sozialdemokraten ihre Ablehnung der Kohlekraftwerkspläne ihrer Energieunternehmen deutlich. Mit Erfolg: schon einige Investitionen wurden aufgrund des öffentlichen Protests zurückgezogen.
Auch auf den Philippinen und in anderen Ländern Südostasiens wehren sich die Menschen an zahlreichen Standorten gegen neue Kohlekraftwerke. In einer gemeinsamen Erklärung von Nichtregierungsorganisationen heißt es, die Zeit für erneuerbare Energien sei jetzt gekommen. Auf den Philippinen sind mindestens acht weitere Kohlekraftwerke geplant.
People's Declaration Against Coal and In Support of Clean Energy