Kohle Protest

15. März 2010

Breites deutsches Klimaschutz-Bündnis wendet sich in einem offenen Brief an Schweizer Energieversorger / Rückzug der Groupe E aus umstrittenem Kohlekraftwerksprojekt im norddeutschen Brunsbüttel gefordert

Im Vorfeld einer Verwaltungsratssitzung des im Schweizer Freiburg ansässigen Energieversorgers Groupe E wendet sich das breite deutsche Bündnis die Klima-Allianz mit einem offenen Brief an die Mitglieder des Verwaltungsrates.

Der Verwaltungsrat der Group E wird voraussichtlich bei seiner nächsten Sitzung am Mittwoch dieser Woche über die weitere Beteiligung des Schweizer Unternehmens an einem Kohlekraftwerksprojekt im norddeutschen Brunsbüttel verhandeln. Aus diesem Anlass hat die Klima-Allianz heute in einem offenen Brief Groupe E dazu aufgerufen, sich aus dem Kraftwerksprojekt zurückzuziehen. Die Groupe E ist eines von derzeit noch vier Schweizer Unternehmen, die sich mit insgesamt weit über der Hälfte der Anteile an dem Kohleprojekt der Stadtwerke-Kooperation SüdWestStrom (SWS) beteiligen. Eine breite Koalition von Umweltverbänden, Kirchenvertretern, Fischern, Landwirten und betroffenen Bürgern wehrt sich in der Region gegen das Vorhaben.

Das Bündnis Die Klima-Allianz mit mehr als 100 Mitgliedsorganisationen aus allen gesellschaftlichen Bereichen, dessen Verbände etwa 30 Millionen Menschen repräsentieren, bittet die Mitglieder des Verwaltungsrats nachdrücklich, mit ihren Investitionen nicht weiterhin eine klimaschädliche Energieversorgung in Deutschland zu fördern.

„Das Kohlekraftwerksprojekt in Brunsbüttel würde jährlich zirka neun Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid ausstoßen und damit die strombedingten CO2-Emissionen des Bundeslandes Schleswig-Holstein auf einen Schlag verdreifachen. In der Schweiz lassen die hohen Umweltauflagen den Bau von Kohlekraftwerken nicht zu. Vor diesem Hintergrund stößt es in Deutschland auf Unverständnis, dass Groupe E Unmengen an klimaschädlichen CO2-Emissionen und anderer für Mensch und Umwelt gefährlicher Schad- und Giftstoffe nach Deutschland 'exportieren' möchte“, erklärt Daniela Setton von der Klima-Allianz.

In dem offenen Brief spricht das Bündnis auch die vielen Mängel des Projektes an. „Im derzeit laufenden Genehmigungsverfahren für das Kohlekraftwerksprojekt in Brunsbüttel haben Umwelt- und Rechtsexperten massive Verstöße gegen zahlreiche Umwelt- und Gesundheitsauflagen aufgezeigt“, heißt es unter anderem in dem Brief.
Auch warnt das Bündnis vor dem wirtschaftlichen Risiko der Kohleinvestition in Brunsbüttel. „Eine geringere Auslastung aufgrund des wachsenden Anteils erneuerbarer Energien am deutschen Strom-Mix, steigende Preise für den Brennstoff und die CO2-Zertifikate unter dem europäischen Emissionshandel werden einen wirtschaftlichen Betrieb des Kohlekraftwerks unmöglich machen“, warnt die Energie-Expertin Setton. „Im Fall von Brunsbüttel kommt hinzu, dass die Blöcke dort mit dem wachsenden Anteil des an der Elbemündung eingespeisten Stroms aus den Offshore-Windenergieanlagen konkurrieren werden, der vorrangig ins Netz eingespeist wird.“

Erst vor wenigen Wochen war bereits die Schweizer Elektra Birsek Münchenstein (EBM) aus dem Kohlekraftwerksprojekt in Brunsbüttel ausgestiegen. „Wir wünschen uns, dass Groupe E diesem Beispiel folgt. Wir hoffen sehr, dass sich die Verwaltungsratsmitglieder der Groupe E für einen Rückzug aus dem Projekt einsetzen“, so Setton.

Den offenen Brief der Klima-Allianz an die Groupe E finden Sie als PDF-Datei unter
http://kohle-protest.de/Offener_Brief_GroupeE.pdf


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