

Berlin, 29.04.2011. Zahlreiche Stadtwerke beteiligen sich am Bau des umstrittenen Kohlekraftwerks in Krefeld-Uerdingen – nach einer aktuellen Recherche der Klima-Allianz sogar mehr als bislang angenommen. Das geplante Kohlekraftwerk hat ein Investitionsvolumen von über einer Milliarde Euro und würde nach Inbetriebnahme jährlich mehr als vier Millionen Tonnen CO2 ausstoßen. Gegenwärtig wird geprüft, ob statt eines Kohlekraftwerks auch ein Gaskraftwerk gebaut werden könnte.
19 Stadtwerke setzen weiter auf Klimakiller-Kohlekraftwerke
19 Stadtwerke aus Deutschland und der Schweiz schließen die Beteiligung am Kohlekraftwerk nicht aus, darunter die Energie- und Wasserversorgung Mittleres Ruhrgebiet (ewmr) mit den beteiligten Stadtwerken Bochum, Herne und Witten, die ÜWAG Fulda sowie die Stadtwerke Osnabrück und Ulm. Bisher haben lediglich die Stadtwerke Aachen öffentlich angekündigt, dass sie sich nur beim Umstieg auf ein Gaskraftwerk weiter am Konsortium beteiligen werden, ansonsten aber aus dem Projekt aussteigen würden. Die Flensburger Stadtwerke überlegen derzeit, ihre Bereitschaft zu Investitionen in Kohlekraftwerke im Zuge eines Strategiewechsels und des geplanten Umstiegs auf erneuerbare Energien zurückzuziehen. Der Ausstieg der Stadtwerke Dachau wurde bereits durch einen Bürgerentscheid im Juni 2010 besiegelt.
„Deutschland erlebt gerade eine Zäsur in der Energiepolitik. Doch ausgerechnet kommunale Unternehmen lassen die Chance vergehen, schneller als bislang von der Bundesregierung geplant eine Vollversorgung mit erneuerbaren Energien zu erreichen. Stattdessen setzen zahlreiche Stadtwerke ohne Not auf neue klimaschädliche Kohlekraftwerke“, kritisiert Mona Bricke von der Klima-Allianz. „Die Stadtwerke müssen sich aus der Steinzeit verabschieden und ihre Kohlekraftwerk-Pläne aufgeben. Nur mit den Erneuerbaren kann Deutschlands Energieversorgung in der Zukunft klimafreundlich werden“, so Jan Urhahn von Oxfam Deutschland.
Besteht die Chance auf eine Energiewende?
Die beteiligten Stadtwerke wollen voraussichtlich noch in diesem Sommer entscheiden, ob die Dinosaurier-Technologie Kohle wirklich in Krefeld-Uerdingen zum Einsatz kommt. Derzeit prüft das Konsortium auch noch den Bau eines effizienteren, mit erneuerbaren Energien kompatiblen Gaskraftwerks. Damit sich die Stadtwerke für die Gas-Option entscheiden, hat Campact den Online-Appell „Keine Kohle für die Kohle: Jetzt Klimakiller zu Fall bringen“ initiiert (siehe www.keine-kohle-fuer-kohle.de).
„Die Bürgerinnen und Bürger wollen von ihren Stadtwerken nicht mit Kohle- und Atomstrom versorgt werden“, erklärt Ferdinand Dürr von Campact. „Statt in eine überkommene Technologie sollten die kommunalen Unternehmen das Geld ihrer Städte lieber in ökologisch fortschrittliche Kraftwerke stecken. Das fordern bereits Tausende Menschen aus den beteiligten Städten von den Geschäftsführern ihrer Stadtwerke.“
Stand: 28. April 2011
Zusammenfassung der Recherchen zur Beteiligung von 19 Stadtwerken am trianel-Konsortium für einen Kraftwerkbau in Krefeld-Uerdingen mit einer geplanten Leistung vom 750 MW. Bislang ist ein Steinkohlekraftwerk in Planung. Am 17.11.2010 beschlossen die Projektpartner eine Neubewertung auch für ein klimaverträglicheres Gas- und Dampfkraftwerk. Im Juni 2011 beraten die Projektpartner über die Ergebnisse dieser Prüfung.
Nr. | Unternehmen | Stadt | Leistungs-scheibe | Bemerkung |
1 | ÜBERLANDWERK Fulda AG | Fulda | 60 MW |
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2 | SWU Energie GmbH | Ulm | 50 MW |
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3 | Flensburger Förde Energiegesellschaft mbH | Flensburg | 30 MW | Ratsversammlung der Stadt Flensburg beschloss am 31.03.2011 dem Umstieg auf 100% erneuerbare Energien in Vertrieb und Erzeugung. |
4 | enwor - energie & wasser vor ort GmbH | Herzogenrath | 10 MW |
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5 | Stadtwerke Jena-Pößneck GmbH | Jena | 10 MW |
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6 | Stadtwerke Soest GmbH | Soest | 10 MW |
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7 | ENNI Energie Wasser Niederrhein GmbH | Moers | 5 MW |
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8 | Regio Energie Solothurn | Solothurn (CH) | 5 MW |
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Kommanditisten laut HRA 7324 des Amtsgerichts Aachen vom 28.04.2011 (letzter Eintrag vom 14.12.2009)
Ergebnis einer Befragung von 28 weiteren Stadtwerken vom April 2011.
Nr. | Unternehmen | Stadt | Leistungs-scheibe | Bemerkung |
1 | SWK Energie GmbH | Krefeld | 30 MW | |
2 | Stadtwerke Sindelfingen GmbH | Sindelfingen | 10 MW | |
3 | SWL Stadtwerke Lengerich GmbH | Lengerich | noch nicht festgelegt |
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4 | Stadtwerke Osnabrück AG | Osnabrück | 20 MW |
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5 | Stadtwerke Lünen GmbH | Lünen | 12 MW |
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6 | Energie- und Wasserversorgung Rheine GmbH | Rheine | 10 MW |
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7 | Stadtwerke EVB Huntetal GmbH | Diepholz | 5 MW |
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8 | Energie- und Wasserversorgung Mittleres Ruhrgebiet ewmr (Stadtwerke Witten, Herne, Bochum) | Witten, Herne, Bochum | 150 MW |
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9 | Allgäuer Überlandwerk GmbH | Kempten | 25 MW |
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Nr. | Unternehmen | Stadt | Leistungs-scheibe | Bemerkung |
1 | Stadtwerke Dachau | Dachau | 15 MW | Erfolgreicher Bürgerentscheid im Juli 2010 gegen Kohlekraftwerksbeteiligung |
2 | STAWAG – Stadtwerke Aachen AG | Aachen | 50 MW | 13.01.2011 PM: Beteiligung in Krefeld nur, wenn ein Gas- und Dampfkraftwerk anstelle eines Kohlekraftwerks gebaut wird. |