Kohle Protest

28. April 2011

Energiewende in Deutschland? Nicht für alle Stadtwerke!

Berlin, 29.04.2011. Zahlreiche Stadtwerke beteiligen sich am Bau des umstrittenen Kohlekraftwerks in Krefeld-Uerdingen – nach einer aktuellen Recherche der Klima-Allianz sogar mehr als bislang angenommen. Das geplante Kohlekraftwerk hat ein Investitionsvolumen von über einer Milliarde Euro und würde nach Inbetriebnahme jährlich mehr als vier Millionen Tonnen CO2 ausstoßen. Gegenwärtig wird geprüft, ob statt eines Kohlekraftwerks auch ein Gaskraftwerk gebaut werden könnte.

19 Stadtwerke setzen weiter auf Klimakiller-Kohlekraftwerke

19 Stadtwerke aus Deutschland und der Schweiz schließen die Beteiligung am Kohlekraftwerk nicht aus, darunter die Energie- und Wasserversorgung Mittleres Ruhrgebiet (ewmr) mit den beteiligten Stadtwerken Bochum, Herne und Witten, die ÜWAG Fulda sowie die Stadtwerke Osnabrück und Ulm. Bisher haben lediglich die Stadtwerke Aachen öffentlich angekündigt, dass sie sich nur beim Umstieg auf ein Gaskraftwerk weiter am Konsortium beteiligen werden, ansonsten aber aus dem Projekt aussteigen würden. Die Flensburger Stadtwerke überlegen derzeit, ihre Bereitschaft zu Investitionen in Kohlekraftwerke im Zuge eines Strategiewechsels und des geplanten Umstiegs auf erneuerbare Energien zurückzuziehen. Der Ausstieg der Stadtwerke Dachau wurde bereits durch  einen Bürgerentscheid im Juni 2010 besiegelt.

„Deutschland erlebt gerade eine Zäsur in der Energiepolitik. Doch ausgerechnet kommunale Unternehmen lassen die Chance vergehen, schneller als bislang von der Bundesregierung geplant eine Vollversorgung mit erneuerbaren Energien zu erreichen. Stattdessen setzen zahlreiche Stadtwerke ohne Not auf neue klimaschädliche Kohlekraftwerke“, kritisiert Mona Bricke von der Klima-Allianz. „Die Stadtwerke müssen sich aus der Steinzeit verabschieden und ihre Kohlekraftwerk-Pläne aufgeben. Nur mit den Erneuerbaren kann Deutschlands Energieversorgung in der Zukunft klimafreundlich werden“, so Jan Urhahn von Oxfam Deutschland.

Besteht die Chance auf eine Energiewende?

Die beteiligten Stadtwerke wollen voraussichtlich noch in diesem Sommer entscheiden, ob die Dinosaurier-Technologie Kohle wirklich in Krefeld-Uerdingen zum Einsatz kommt. Derzeit prüft das Konsortium auch noch den Bau eines effizienteren, mit erneuerbaren Energien kompatiblen Gaskraftwerks. Damit sich die Stadtwerke für die Gas-Option entscheiden, hat Campact den Online-Appell „Keine Kohle für die Kohle: Jetzt Klimakiller zu Fall bringen“ initiiert (siehe www.keine-kohle-fuer-kohle.de).

„Die Bürgerinnen und Bürger wollen von ihren Stadtwerken nicht mit Kohle- und Atomstrom versorgt werden“, erklärt Ferdinand Dürr von Campact. „Statt in eine überkommene Technologie sollten die kommunalen Unternehmen das Geld ihrer Städte lieber in ökologisch fortschrittliche Kraftwerke stecken. Das fordern bereits Tausende Menschen aus den beteiligten Städten von den Geschäftsführern ihrer Stadtwerke.“

 

Beteiligungen am Kraftwerkskonsortium Krefeld-Uerdingen

Download Beteiligungen in pdf

Stand: 28. April 2011

Zusammenfassung der Recherchen zur Beteiligung von 19 Stadtwerken am trianel-Konsortium für einen Kraftwerkbau in Krefeld-Uerdingen mit einer geplanten Leistung vom 750 MW. Bislang ist ein Steinkohlekraftwerk in Planung. Am 17.11.2010 beschlossen die Projektpartner eine Neubewertung auch für ein klimaverträglicheres Gas- und Dampfkraftwerk. Im Juni 2011 beraten die Projektpartner über die Ergebnisse dieser Prüfung.

 

A. bereits bekannt aus dem Handelsregister Aachen

 

Nr.

Unternehmen

Stadt

Leistungs-scheibe

Bemerkung

1

ÜBERLANDWERK Fulda AG

Fulda

60 MW

 

2

SWU Energie GmbH

Ulm

50 MW

 

3

Flensburger Förde Energiegesellschaft mbH

Flensburg

30 MW

Ratsversammlung der Stadt Flensburg beschloss am 31.03.2011 dem Umstieg  auf 100% erneuerbare Energien in Vertrieb und Erzeugung.

4

enwor - energie & wasser vor ort GmbH

Herzogenrath

10 MW

 

5

Stadtwerke Jena-Pößneck GmbH

Jena

10 MW

 

6

Stadtwerke Soest GmbH

Soest

10 MW

 

7

ENNI Energie Wasser Niederrhein GmbH

Moers

5 MW

 

8

Regio Energie Solothurn

Solothurn (CH)

5 MW

 

 

Kommanditisten laut HRA 7324 des Amtsgerichts Aachen vom 28.04.2011 (letzter Eintrag vom 14.12.2009)

 

 

B. bekannt seit der Befragung

Ergebnis einer Befragung von 28 weiteren Stadtwerken vom April 2011.

 

Nr.

Unternehmen

Stadt

Leistungs-scheibe

Bemerkung

1

SWK Energie GmbH

Krefeld

30 MW


2

Stadtwerke Sindelfingen GmbH

Sindelfingen

10 MW


3

SWL Stadtwerke Lengerich GmbH

Lengerich

noch nicht festgelegt

 

4

Stadtwerke Osnabrück AG

Osnabrück

20 MW

 

5

Stadtwerke Lünen GmbH

Lünen

12 MW

 

6

Energie- und Wasserversorgung Rheine GmbH

Rheine

10 MW

 

7

Stadtwerke EVB Huntetal GmbH

Diepholz

5 MW

 

8

Energie- und Wasserversorgung Mittleres Ruhrgebiet ewmr

(Stadtwerke Witten, Herne, Bochum)

Witten,

Herne,

Bochum

150 MW

 

9

Allgäuer Überlandwerk GmbH

Kempten

25 MW

 

 

C. keine Beteiligung an einem Kohlekraftwerk

 

Nr.

Unternehmen

Stadt

Leistungs-scheibe

Bemerkung

1

Stadtwerke Dachau

Dachau

15 MW

Erfolgreicher Bürgerentscheid im Juli 2010 gegen Kohlekraftwerksbeteiligung

2

STAWAG – Stadtwerke Aachen AG

Aachen

50 MW

13.01.2011 PM: Beteiligung in Krefeld nur, wenn ein Gas- und Dampfkraftwerk anstelle  eines Kohlekraftwerks gebaut  wird.


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