

Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Betreiber: Evonik Steag (51%), EVN (49%)
Das Kohlekraftwerk ist genehmigt und seit Winter 2006 im Bau.
Vorhaben: Der Energiekonzern Evonik Steag vergrößert sein Steinkohlekraftwerk in Duisburg-Walsum. Die beiden vorhandenen Blöcke 7 mit 150 MW und 9 mit 410 MW elektrischer Leistung sollen mit dem Block 10 um 750 MW elektrische Leistung erweitert und teilweise auch abgelöst werden.
Zu den bestehenden Blöcken mit insgesamt 600 MW Leistung wird ein weiterer Block hinzugebaut. Der neue Block 10 wird mit der geplanten 750 MW die Leistung der bestehenden Block weit überschreiten. Nach Äußerungen der Steag gegenüber dem Duisburger Ausschuss für Umwelt und Grünflächen vom 17. Januar 2006 sollen die alten Blöcke 7 und 9, die 1959/60 in Betrieb gegangen sind, weiter in Betrieb bleiben und "noch mindestens 15 Jahre parallel zu Block 10 laufen".
Genehmigung erteilt
Am 31. Juli 2006 erteilte die Bezirksregierung Düsseldorf den sog. Vorbescheid für den neuen Steinkohlekraftwerksblock 10. Dieser Vorbescheid sagt aus, dass das Evonik-Vorhaben in Walsum grundsätzlich genehmigungsfähig ist. Bis zum Dezember 2007 erhielt Evonik Steag die noch erforderlichen Teilgenehmigungen, um das Kohlekraftwerk tatsächlich bauen und in Betrieb nehmen zu können.
Bereits ein Jahr zuvor, am 20. November 2006, fand die Grundsteinlegung statt, unter Anwesenheit des damaligen Bundesumweltministers Sigmar Gabriel (SPD) und der nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU).
Klagen abgewiesen
Zum Zeitpunkt der Grundsteinlegung waren noch mehrere Klagen von Kohlekraftwerksgegnern anhängig, die aber alle abgewiesen wurden.
Klage 1: Eine der Klagen kam von der gegen den Kohlekraftwerksneubau aktiven Bürgerinitiative (BI) Umweltgifte Duisburg-Nord. Im Februar 2006 reichte sie eine Normenkontrollklage gegen den Bebauungsplan ein um zu prüfen, ob die Stadt für Block 10 einen neuen Bebauungsplan hätte aufstellen müssen. Ende 2007 wurde die Klage vom Gericht zurückgewiesen.
Klage 2: Der 8. Senat des Oberverwaltungsgerichts NRW hat am 10. Juni 2008 die Klage gegen die Erweiterung des Steinkohle-Heizkraftwerks Duisburg-Walsum abgewiesen. Der Kläger, der neun Kilometer vom Kraftwerk entfernt wohnt, wandte sich gegen den von der Bezirksregierung Düsseldorf erteilten Vorbescheid für die Erweiterung des Steinkohle-Heizkraftwerks Duisburg-Walsum.
Neuer riesiger Kohlehafen Voerde Süd
Evonik-Steag will im Dinslakener Stadteil Eppinghoven, zwischen der Emschermündung und dem Kraftwerk Voerde, einen neuen, riesigen Kohlehafen mit einem offenen Kohlelager bauen. Die Stadt Dinslaken liegt am unteren Niederrhein im Nordwesten des Ruhrgebiets in NRW in der Nähe von Duisburg. Gegen das Evonik-Vorhaben hat sich eine Bürgerinitiative gegründet. Der neue Kohlehafen in Eppinghoven soll jährlich sechs bis neun Millionen Tonnen importierter Steinkohle umschlagen können, das ist das Zwei- bis Dreifache dessen, was das in Betrieb befindliche Kraftwerk in Voerde benötigt. Die Frage, wofür ein so großer Hafen gebraucht wird, beantwortet Evonik nicht. Die vor Ort engagierten Bürgerinitiativen befürchten, dass der geplante Kohlehafen in Voerde Auswirkungen auf Walsum hat. Neben den allgemeinen Bedenken, dass der Bau des Kohlehafens massive Umweltbelastungen mit sich bringt, steht noch eine andere Befürchtung im Raum. Es gibt Gerüchte über eine mögliche Kohleförderanlage von Voerde nach Walsum. Die Bürgerinitiativen vermuten, dass durch den neuen Kohlehafen die Grundlage für eine Erweiterung der Kohlekraftwerke in Walsum und Voerde geschaffen wird. Es besteht bereits die bauplanungsrechtliche Grundlage für ein neues Kohlekraftwerk in Voerde als Ersatz für zwei ältere Blöcke (700 MW).
Ein Genehmigungsverfahren wurde noch nicht gestartet.
Derzeit befindet sich der Kohlehafen in der Planungsphase. Die Bezirksregierung Düsseldorf hat im Juni 2009 (gegen die Stimmen der Grünen) die Einleitung eines Regionalplanänderungsverfahrens für die Erarbeitung der 66. Änderung des Regionalplans für den Regierungsbezirk Düsseldorf im Gebiet der Stadt Voerde beschlossen (Südhafen Voerde). Vorgesehen ist, eine Hafenfläche einschließlich eines Kohlelagers für den Kraftwerkstandort Voerde im Regionalplan auszuweisen. Damit soll die Kohleversorgung des Standortes auch bei zunehmendem Einsatz von Importkohle über den Wasserweg sichergestellt werden.
Die Vorlage für die Bezirksregierung mit mehr Infos zum Vorhaben findet sich hier
Im Stadtrat stehen insbesondere SPD und CDU hinter dem Duisburger Kohlekraftwerksbau. Die Linke sprach sich klar dagegen aus, die Grünen waren kritisch.
Auf der Sitzung vom 2. Februar 2009 sprachen sich alle Fraktionen im Ausschuss für Umwelt und Grünflächen gegen ein mögliches zweites neues Kohlekraftwerk in Walsum aus. Der Oberbürgermeister wurde gebeten, die nötigen planungsrechtlichen Möglichkeiten zu prüfen, um einen erneuten Bau zu verhindern.
Nach Medienberichten von Ende Juni 2009 planen CDU und Grüne, im Duisburger Stadtteil Hochfeld ein altes Kohle-Heizkraftwerk der Stadtwerke durch Wind- und Solarkrafttechnik zu ersetzen.
Im Jahr 1988 gründete sich die Bürgerinitiative (BI) gegen die damals geplante Sondermüllverbrennung „Entsorgungszentrum Duisburg - EZD". Das EZD wurde durch einen großartigen Kampf der gesamten Bevölkerung im Duisburger Norden verhindert. Die BI gab sich mit Bürgerinitiative gegen Umweltgifte Duisburg-Nord einen neuen Namen und kämpft seit Oktober 2005 gegen den Steinkohleneubau in Walsum.
Die Walsumer Bürger informieren seitdem über die Erweiterung des Kraftwerks. Die Bürger vor Ort waren entsetzt, als sie zum ersten Mal erfuhren, was für ein Riesenklotz an Kühlturm sozusagen direkt "mitten ins Dorf" (Alt-Walsum) gebaut werden sollte - denn weder Politik und Verwaltung noch die Evonik Steag hatten es für notwendig befunden, die Betroffenen zu informieren.
So formiert sich der Widerstand in breiter Form. Protestaktionen der verschiedensten Art folgen: Unterschriftenaktionen als Einwendung gegen den geplanten Ausbau des Kraftwerks, Infostände, Demonstrationen, Übergabe der Unterschriften mit reger Beteiligung der Presse, Fernsehauftritte usw. Die BI sammelte durch ihre Aktivitäten insgesamt 1.300 Einwendungen gegen den Kraftwerksbau. Sogar eine Klage wegen des fehlenden Bebauungsplans wurde von der BI angestrengt.
Durch ihre Aktivitäten konnte die BI zwar die Genehmigung des Kraftwerks nicht verhindern, aber dennoch erreichen, dass die Evonik Steag ihre Planungen modifizieren musste. Das Unternehmen verzichtete:
1. auf einen Parallelbetrieb der beiden alten Kraftwerksblöcke mit dem geplanten neuen Block 10;
2. auf Entladung und Umschlagstätigkeiten im Bereich des Nordhafens und des Passivlagers Driesenbusch zur Nachtzeit – denn ohne diesen Verzicht könnte beim Kraftwerksbetrieb der Lärm-Grenzwert nicht eingehalten werden; ohne den Widerstand aus der Bevölkerung hätte Evonik Steag diese Zugeständnisse sicherlich nicht gemacht.
BI gegen Kohlehafen
Gegen den geplanten neuen Kohlehafen in Voerde hat sich eine neue Bürgerinitiative „BI Kohlehafen“ gegründet. Als eine erste Informationsveranstaltung von engagierten Bürgern im Juli 2009 über das Evonik-Steag Kohlehafenprojekt veranstaltet wurde, war der Andrang so groß, dass daraus die Gründungsveranstaltung der BI Kohlehafen wurde. Ziele sind u.a. die Bekanntmachung des Vorhabens Südhafen Voerde in Dinslaken und Umgebung, die Einmischung in die politische Auseinandersetzung sowie die Vertretung der Interessen der Bevölkerung. Die BI hat sich mit den anderen BIs, die in NRW gegen neuen Kohlekraftwerke aktiv sind, vernetzt.
April 2010: Über über 400 Bürger nehmen am Sonntagsspaziergang vom Bauplatz des neuen Kohlekraftwerkes in Duisburg-Walsum bis geplanten neuen Kohlehafens bei Voerde teil
Januar 2010: Duisburger Bürger unterstützen die BI Saubere Luft bei einer Aktion gegen das geplante Kohlekraftwerk in Krefeld
Dezember 2009: Parallel zum Klimagipfel in Kopenhagen macht das Klimabündnis Niederrhein am Weltklimatag mit einem brennenden Eisbär auf die Klimakatastrophe aufmerksam
Juli 2009: Die BI Kohlehafen trifft sich mit den Bürgermeisterkandidaten der Stadt Dinslaken und vielen interessierten Bürgern um über die Zukunft der Region zu diskutieren
August 2006: Demonstration von Duisburger Bürgerinnen und Bürgern gegen die Pläne von Evonik Steag, einen neuen Kohlekraftwerksblock in Duisburg-Walsum zu bauen
Februar 2006: Die Bürgerinitiative veranstaltet zu Karneval einen Anti-Kohle-Protestzug, auf dem ein rauchender Kühlturm mit dabei ist
Februar 2006: In einem Offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und die damaligen Minister Sigmar Gabriel (Umwelt) und Michael Glos (Wirtschaft) möchten betroffene Bürger in Duisburg auf die unzureichende Gesetzeslage zum Schutz von Mensch und Umwelt im Kontext von Kohlekraftwerksplanungen in Deutschland hinweisen
Oktober 2005: Die Bürgerinitiative sammelt kurz nach ihrer Gründung 1.300 Einwendungen gegen den Ausbau des Kraftwerks. Fast jeden Tag findet sich ein Bericht über die Kraftwerkserweiterung in der Presse

Brennstoff: Steinkohle
Leistung: 750 MW
Baubeginn: 2006
Inbetriebnahme: 2010
Wirkungsgrad: ca. 45%
KWK: nein
Investition: 1 Mrd.Euro
CO2-Ausstoß: 4,2 Mio. t/Jahr


BI gegen Umweltgifte Duisburg-Nord
Wilfried Mohr
E-Mail: kontakt@buergerinitiative-duisburg.de
Bürgerinitiative Kohlehafen
Matthias Stickel (Vorsitzender)
E-Mail: vorstand(at)bi-kohlehafen.de
