


Aufgegebenes Projekt:
Neubau Steinkohlekraftwerk in Düsseldorf Lausward
Betreiber: Stadtwerke Düsseldorf
Verhinderte CO2-Emissionen: 2,2 Mio. t
Erfolgsrezept: starker lokaler Protest, Lokalpolitik gegen Kohlepläne
Am 23. April 2010 verkündeten die Stadtwerke Düsseldorf den Rückzug aus dem geplanten Kohlekraftwerk. Der Ausstieg aus den Kohleplänen war zu erwarten, nicht nur weil die lokale Politik dem Projekt ablehnend gegenüber stand, sondern auch weil ein sehr agiles Aktionsbündnis den Protest der Bevölkerung gegen das klimaschädliche Vorhaben mit Demonstrationen und Protestaktionen sichtbar machte.
Die Stadtwerke Düsseldorf, die mehrheitlich der EnBW gehören, gaben im Jahr 2007 den Plan für die Ersetzung eines alten Kraftwerks im Düsseldorfer Hafen bekannt. Die seit der Abschaltung der alten Kohleblöcke im Jahr 1999 als reines Gaskraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung betriebene Anlage sollte um einen Kohlekraftwerksblock mit 400 MW Leistung erweitert werden.
Kurz nach der Verkündung schlossen sich zahlreiche Düsseldorfer Vereine, Verbände und Institutionen zum Aktionsbündnis „Sauberer Strom für Düsseldorf - ASTR(H)EIN“ zusammengeschlossen, um den von den Stadtwerken geplanten Bau eines 400-Megawatt-Steinkohlekraftwerks im Düsseldorfer Hafen zu verhindern und für eine umweltfreundliche Energieerzeugung zu werben. Zu den Gründungsmitgliedern des Aktionsbündnisses gehörten u.a. der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Düsseldorfer Kreisverband von Bündnis 90/DIE GRÜNEN, das Institut für Wirtschaft und Ökologie (IWÖ) sowie das Umweltforum Düsseldorf, eine Gesprächsplattform zahlreicher lokaler Umwelt-und Naturschutzgruppierungen. Seit Sommer 2007 informiert das Aktionsbündnis über die Gefahren eines Kohlekraftwerksneubaus, sorgt mit Protestaktionen für öffentliche Aufmerksamkeit und stellt Alternativen der Energieversorgung vor.
Während die CDU sich zu Beginn klar für das Kohlekraftwerk aussprach, waren die Grünen, SPD und FDP mehrheitlich gegen den Neubau. Auf eine Ablehnung des Kraftwerks hatte sich die CDU-Fraktion im September 2008 nach heftigen Diskussionen geeinigt, obwohl Umwelt- und Wirtschaftsflügel der Partei zuvor unterschiedliche Standpunkte vertreten hatten. Im Februar 2009 votierten alle Fraktionen (CDU, SPD, Grüne, FDP, Die Linke) im Stadtrat einstimmig gegen den Neubau eines Kohlekraftwerkes in Düsseldorf.
Im Oktober 2008 beantragten die Stadtwerke Düsseldorf die Kraftwerksgenehmigung. Seit März 2009 ruht das Verfahren, da sich alle Fraktionen im Düsseldorfer Stadtrat im Februar 2009 gegen das Kohlekraftwerk aussprachen. Der Bürgermeister (CDU) forderte die Stadtwerke auf, ihren Genehmigungsantrag bei der Behörde zurückzuziehen und die Pläne für das Kohlekraftwerk zu begraben.
Ende Februar 2010 schrieben die Stadtwerke Düsseldorf (SWD) europaweit einen Planungsauftrag für eine Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) der 400-MW-Klasse aus. Nach von "ASTR(H)EIN" konnten bis zum 15. März 2010 entsprechende Angebote abgegeben werden, die bei einer Realisierung das Aus für die Kohlekraftwerkspläne der Stadtwerke zur Folge hätten.
Der Abschied von den Kohleplänen kam daher auch nicht unverhofft. Ende April 2010 verkündeten die Stadtwerke Düsseldorf das Aus: „Ein modernes Erdgaskraftwerk, das nach dem umweltschonenden Verfahren der Kraft-Wärme-Kopplung gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt, steht im Mittelpunkt der weiteren Planungen der Stadtwerke Düsseldorf für die zukünftige Energieversorgung. Ergänzt wird das Konzept durch mittelfristige Investitionen in Erneuerbare Energien im dreistelligen Millionenbereich“