Kohle Protest

Mittwoch, 21. Juli 2010
Pressemiteilung WWF-Schweiz

Schweiz: Bündner wollen keinen Kohlestrom aus Brunsbüttel

Kohleprotest vor Schweizer Botschaft in Berlin

Der Bündner Stromversorger Repower (ehemals Rätia Energie) will einen Milliardenbetrag in das deutsche Steinkohlekraftwerk Brunsbüttel investieren. Doch eine neue Umfrage des WWF zeigt: Mehr als zwei Drittel der Bündner Stimmbevölkerung lehnt das Engagement in das Kohlekraftwerk ab. Der WWF fordert Repower zum sofortigen Ausstieg aus dem Projekt auf.

Stromversorger Repower im Abseits: Bei einer von DemoSCOPE (Adligenswil) durchgeführten repräsentativen Telefonbefragung haben sich 68 Prozent der Bündner Stimmbevölkerung kürzlich gegen die Beteiligung am geplanten Steinkohlekraftwerk Brunsbüttel in Norddeutschland ausgesprochen, nur gerade 16 Prozent waren dafür (Anzahl der Befragten: 503). Die WWF-Umfrage zeigt eine breit abgestützte Bevölkerungs-Mehrheit: Das Engagement des Stromversorgers wird von Anhängern aller Parteien deutlich abgelehnt: Bei Anhängern von SP und Grünen sagen 81% der Befragten nein zum Vorhaben der Repower. Bei CVP, FDP und GLP, BDP sowie der SVP lehnen 66% bis 70% die Pläne ab. Damit zeigt sich, dass gerade die Mitte- und Rechtsparteien im Grossen Rat in der Causa Brunsbüttel gegen ihre Wähler stimmten.

„Repower muss sich sofort vom Projekt zurückziehen“, fordert Anita Mazzetta vom WWF Graubünden. „Unser Stromversorger kann nicht ernsthaft gegen den erklärten Willen seiner Kundinnen und Kunden handeln: Die Bündner wollen nicht in dreckigen Kohlestrom investieren.“ Nach der WWF-Umfrage ist das finanzielle Engagement des Energieproduzenten in Brunsbüttel nicht mehr zu rechtfertigen, zumal Repower zu 46 Prozent dem Kanton Graubünden gehört.

Mit Group E (FR) und Romande Energie (VD) zogen sich im April bereits zwei Schweizer Stromlieferanten vom deutschen Kohlekraftwerks-Projekt zurück, weil Kunden Kohlestrom nicht akzeptieren und die Versorgungssicherheit nicht gesichert ist. Auch im Kanton Tessin haben sich kürzlich 58% der Bevölkerung in einer Umfrage gegen eine Beteiligung des regionalen Stromversorgers AET an einem Kohlekraftwerk in Westdeutschland (Lünen) ausgesprochen. „Es gibt sinnvolle Alternativen zur Kohlekraft, wir müssen in Energieeffizienz investieren und in erneuerbare Energien“, betont Mazzetta. Die wirtschaftlichen Aussichten für Kohlekraftwerke sind düster und die Auswirkungen auf die Umwelt verheerend: Kohle ist die schmutzigste Art, Strom zu produzieren. Blei, Cadmium und Feinstaub belasten die Umwelt, gigantische Mengen des Klimagases CO2 gelangen in die Atmosphäre. Die Menge der CO2-Emissionen des Kohlekraftwerks in Brunsbüttel wären vergleichbar mit jenen aller Schweizer Autos.


Kohle-Karte
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