

Bundesland: Niedersachsen
Betreiber: Dow Chemical
Bebauungsplan:
wird erarbeitet
Genehmigungsverfahren: nicht eingeleitet
Dow will das Verfahren zur Erstellung des Bebauungsplans schnell vorantreiben. Derzeit werden die begleitenden Gutachten erstellt. Die Auslegung des Bebauungsplans mit der Beteiligung der Öffentlichkeit wird noch im Sommer 2012 erwartet.
Vorhaben: Die amerikanische Chemiefirma Dow Chemical will auf dem Fabrikgelände des Stader Werks ein Kohlekraftwerk mit einer Leistung von 900 MW errichten, um seinen Strombedarf zu decken. Derzeit wird bereits ein Gas- und Dampfkraftwerk mit einer Leistung von 300 MW auf dem Werksgelände gebaut, das die Dampfversorgung des Werks sicherstellen kann.
EnBW ist ausgestiegen
Zu Beginn der Planungen für das Kohlekraftwerk 2008 war EnBW als Partner mit an Bord, stieg aber im Juni 2009 wieder aus. Dow Chemical sucht noch einen Partner aus der Energiewirtschaft, um das Kraftwerksvorhaben umzusetzen.
Genehmigungsverfahren noch am Anfang
Ein Bebauungsplan für das Gebiet besteht bereits, wird jedoch neu aufgestellt. Der so genannte Scoping-Termin, auf dem vereinbart wird, in welchem Rahmen Umweltauswirkungen des Kohlekraftwerks im Genehmigungsverfahren untersucht werden müssen, fand im Mai 2008 statt. Die Antragsunterlagen für das Genehmigungsverfahren hat Dow Chemical bisher nicht eingereicht.
In Stade sind SPD, CDU und FDP für den Bau der Kraftwerke. Nur die Grünen sprechen sich klar gegen neue Kohlekraftwerke aus.
Es gibt Äußerungen seitens der SPD, dass nur ein Kraftwerk vor Ort entstehen solle. Auch Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) erklärte im Februar 2009, dass er zur Sicherung des Industriestandortes Stade lediglich ein neues Kohlekraftwerk für notwendig hält. Die SPD Landtagsfraktion Niedersachsen hat sich dafür Ausgesprochen maximal ein Kohlekraftwerk in Stade zu bauen und dies mit KWK zu betreiben.
Ortsverband und Ortsratsfraktion der CDU im Stadtteil Bützfleth haben sich im Oktober 2009 klar gegen das Kohlekraftwerksprojekt von GDF Suez ausgesprochen und den Konzern aufgefordert, den Standort aufzugeben. Ausschlaggebend ist vor allem die Nähe zur Wohnbebauung.
Die CDU-FDP geführte Landesregierung unterstützt alle Kohlekraftwerksplanungen in Niedersachsen.
Den Kohlekraftwerksplänen in Stade weht massiver Wind entgegen. Insgesamt drei Bürgerinitiativen haben sich gegen die Kohlepläne gegründet, die jeweils aus unterschiedlichen regionalen Perspektiven aktiv sind.
Die Bürgerinitiativen arbeiten eng zusammen. Auch der BUND Stade ist gegen die geplanten Klimakiller aktiv.
Die Bürgerinitiative (BI) Bützfleth ist nach einem Ortsteil von Stade benannt, welcher an der Unterelbe und am geplanten Standort des Kohlekraftwerks von GDF Suez liegt. Sie hatte sich ursprünglich wegen einer geplanten Müllverbrennungsanlage gegründet.
Die BI Stade/ Altes Land entstand im Sommer 2008. Das Alte Land ist das größte geschlossene Obstanbaugebiet Nordeuropas, welches sich zwischen Stade und Hamburg befindet. Die Landwirte dort wenden sich gegen die geplanten Kohlekraftwerke. Sie befürchten, dass sie ihre Ernte nicht mehr verkaufen können, wenn Feinstäube und Schwermetalle aus den Schloten der Kraftwerke die Äpfel und Kirschen belasten. Allein schon den Ruf, im Schatten von riesigen Kohlemeilern Obst zu produzieren, halten die Altländer Landwirte für geschäftsschädigend.
Auf der Schleswig-Holsteinischen Seite der Elbe hat sich im Frühjahr 2008 die BI Haseldorfer Marsch gegründet. Die Menschen der Haseldorfer Marsch wenden sich gegen die durch die Kohlekraftwerke zu erwartenden Umwelt- und Gesundheitsschäden. Die Region lebt wie das Alte Land vor allem vom Obstbau und Tourismus. Die Haseldorfer Marsch ist aufgrund der vorwiegenden Westwinde mit am stärksten durch die zukünftigen Schadstoffemissionen der Kraftwerke betroffen. Die BI wird von allen Marschgemeinden und fast allen angrenzenden Geestgemeinden parteiübergreifend unterstützt.
Mai 2010: Ein breites Bündnis von Klimaschützern demonstrierte mit Giftfässern vor dem Parteitag der SPD in Stade. Damit wiesen sie auf den enormen CO2- und Schadstoffausstoß der geplanten Kraftwerksprojekte hin.
April 2010: Bürgerinitiativen aus Bützfleth und Stade/Altes Land, die BUND-Kreisgruppe und der Kreisverband des Naturschutzbundes (Nabu) übergeben über 3000 Unterschriften gegen die geplanten Kohlekraftwerke
Oktober 2009: Lichterkette am Elbdeich. Mit einer Lichterkette am Deich protestieren über 700 Menschen gegen den Bau von drei Kohlekraftwerken auf der niedersächsischen Seite der Elbe
Juni 2009: Die Die BI Stade/ Altes Land startet die neue Kampagne "Kohlestadt Stade?", um die Politiker zu einem Umdenken zu bewegen. Zur Kampagne gibt es schicke Postkarten, Infostände und T-Shirts.
April 2009: Gemeinsamer Brief der Bürgerinitiativen an den Stader Bürgermeister mit der Forderung einen Bebauungsplan für das E.on Gelände aufzustellen
Februar 2009: Die Bürgerinitiativen treffen sich mit Umweltminister
Oktober 2008: Ein breites Bündnis protestiert mit dem Kohlosaurus gegen die in Stade geplanten Kohlekraftwerke

Brennstoff: Steinkohle
Leistung: 900 MW
Baubeginn: unklar
Inbetriebnahme: unklar
Wirkungsgrad: unklar
KWK: ja, 300 MW
Investition: unklar
CO2-Ausstoß: 5,1 Mio. t/Jahr


Bürgerinitiative Stade/ Altes Land
Ingrid Meyer-Schmeling
E-Mail: ingrid.meyer-schmeling(at)web.de
Bürgerinitiative Haseldorfer Marsch
Wolfgang Werther
E-Mail: dr.w.werther(at)t-online.de
