Kohle Protest

Braunkohle in der Lausitz

Derzeit ist die Brandenburgische Energiepolitik ein bundesweiter Schwerpunkt im Kampf gegen Klimakiller. Denn die Landesregierung könnte demnächst die Weichen auf den Neubau eines 2000-Megawatt-Kohlekraftwerkes in Jänschwalde stellen. Der Vattenfall-Konzern will zudem insgesamt fünf neue Tagebaue durchsetzen.

Hauptkritik an der Braunkohlenutzung

CO2-Ausstoss

Braunkohle ist der klimaschädlichste Energieträger der Welt, kein anderer Brennstoff stößt pro Kilowattstunde so viel Kohlendioxid aus.

Umsiedlungen

Braunkohletagebaue sind so riesige Löcher in der Landschaft, dass für jeden mehrere Dörfer umgesiedelt werden müssen. Über Jahrhunderte gewachsene Orte verschwinden vom Erdboden, Menschen müssen ihre Heimat verlassen, ob sie wollen oder nicht. Denn bei Weigerung droht die Enteignung nach dem undemokratischen deutschen Bergrecht.

Grundwasserabsenkung

Beim Tagebau wird das Grundwasser bis unter die Kohle abgepumpt. Das führt zu einer oft kilometerweiten Absenkung des Grundwassers, durch die Feuchtgebiete vernichtet und Setzungsschäden an Gebäuden verursacht werden. Steigt das Wasser nach dem Bergbau wieder an, führen chemische Reaktionen zur Versauerung und jahrzehntelangen Folgeschäden.

Leben an der Grubenkante

Wessen Wohnort an der Grubenkante steht, dessen Lebensumfeld ist für Jahrzehnte gestört. Straßen werden abgeschnitten, große Umwege nötig, Lärm und Staub des Tagebaus stören die Lebensqualität. Es gibt keinen Anspruch auf Entschädigung, so dass betroffene Orte immer wieder nur als Bittsteller an die Tür des Kohlekonzerns klopfen müssen.

Subventionen

Braunkohle ist kein „subventionsfreier Energieträger“, auch wenn das immer wieder behauptet wird. Denn die meisten Folgekosten trägt die Allgemeinheit. Die europäische Umweltagentur bezifferte im November 2011 die Kosten allein des  Kraftwerkes Jänschwalde für die Allgemeinheit mit 1,2 bis 2 Milliarden Euro. Das Kraftwerk ist damit die drittschädlichste Industrieanlage Europas.

Kraftwerksplanungen

Insgesamt 7.200 Megawatt Braunkohlenkraftwerke des Vattenfall-Konzerns arbeiten bereits an drei Standorten in der Lausitz. In Boxberg befinden sich weitere 670 MW im Bau. Wenn die Kohleblöcke in Jänschwalde verschlissen sein werden, sollen sie noch einmal durch einen 2000 MW - Neubau ersetzt werden. Für einen Betrieb bis in die 2060er Jahre!

Drohende Tagebaue in der Lausitz

Welzow-Süd II

Bis 2013 soll über die Umsiedlung von 810 Menschen in Proschim und Welzow entschieden werden, um etwa 204 Millionen Tonnen Braunkohle zu gewinnen und genauso viel CO2 freizusetzen. Die Stadt Welzow würde zur Halbinsel in der Bergbaulandschaft, Dörfer wie Lieske würden auf einem schmalen Streifen zwischen zwei Gruben eingepfercht.

Nochten II

Etwa 1.500 Menschen müssten aus den sorbisch-deutschen Dörfern Rohne, Mulkwitz, Mühlrose und Schleife umgesiedelt werden, um weitere 300 Millionen Tonnen Kohle zu gewinnen. Die Entscheidung wollen die sächsischen Behörden bis 2013 gefällt haben.

Jänschwalde-Nord

Von der Umsiedlung bedroht sind die 900 Einwohner von Grabko, Kerkwitz und Atterwasch für 250 Millionen Tonnen Kohle. Dörfer wie Deulowitz, Taubendorf und Groß Gastrose müssten an der Grubenkante stehen bleiben, teilweise auf einem wenige hundert Meter schmalen Streifen zwischen Tagebau und dem Grenzfluss Neiße. Ein Braunkohlenplan soll bis 2015 für verbindlich erklärt werden.

Bagenz-Ost

Wertvolle Wälder zwischen Hornow und Bagenz würden diesem Tagebau zum Opfer fallen, um nach 2035 noch Braunkohle fördern zu können. Ab 2015 soll das Planverfahren beginnen.

Spremberg-Ost

Direkt vor den Toren der Stadt, die sich gern „Perle der Lausitz“ nennt, würde hier ein neues Loch entstehen. Ein Beginn des Planverfahrens wird für 2015 erwartet. Der Tagebau würde ein Landschaftsschutzgebiet und die Trinkwassergewinnung der Stadt in Anspruch nehmen.

Protest

Der wachsende Protest gegen Braunkohlekraftwerke und -tagebaue in der Lausitz wird von zahlreichen Initiativen getragen. Landesweit hat sich in Brandenburg das Bündnis Heimat und Zukunft (www.heimatzukunft.de) gebildet. Eine ausführliche Internetseite, einen regelmäßigen Rundbrief und zahlreiche Fachstellungnahmen trägt die GRÜNE LIGA in Cottbus bei. (www.lausitzer-braunkohle.de). Landesweite Umweltverbände wie der BUND (www.bund-brandenburg.de) beschäftigen sich ebenfalls regelmäßig mit der Braunkohle- und Energiepolitik Brandenburgs. Darüber hinaus gehören Gemeinden, Kirchgemeinden, Abgeordnete und weitere zum Netzwerk des Widerstandes.


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